• 28.03.2020 00:08 - Corona - Update vom 28.03.2020
von Johanna in Kategorie Allgemein.

Update am 28.03.2020 – Samstag

Mutmaßungen in der Corona-Krise

Seit vielen Jahren wird in der Medizinbranche gespart bis zum Erbrechen. Und nicht nur Ärzte und das Pflegepersonal leiden darunter, sondern auch die Patienten. Nix Neues. Aber seit einiger Zeit wird von sogenannten Experten verlangt, kleinere und unwirtschaftlich arbeitende Krankenhäuser zu schließen. Lt. irgendeiner Studie (hab den Nachweis nicht gefunden, dürfte aber auch allgemein bekannt sein) sind sie auch nicht notwendig. Man will dann also das Personal auf die großen Häuser verteilen.

Ich frage mich in der jetzigen Situation, wie es mit Intensivbetten aussehen würde, wenn man diese Vorstellungen schon umgesetzt hätte. Angesichts von fast 1000 Verstorbenen an einem einzigen Tag (Italien) kann einem da eigentlich nur Angst und Bange werden. Auch in Deutschland – wo es wesentlich weniger Infizierte und Verstorbene gibt – muss ja damit gerechnet werden, dass die Kapazitäten in den Krankenhäusern und den Notunterkünften wie Schiffe von der Bundeswehr, „beschlagnahmte“ Hotels usw. irgendwann ausgeschöpft sind. War das also eine Fehlinterpretation der Experten?

Hinzu kommt aber auch eine Hoffnung für die „Zeit nach Corona“. Das sind jetzt natürlich nur Spekulationen, aber ich denke, zumindest ein Teil könnte Wirklichkeit werden.

Dass die medizinischen Berufe, sowie die Arbeit in Seniorenheimen, bei der Abfallwirtschaft, im Lebensmittelsektor, im öffentlichen Verkehr, bei den Rettungsdiensten, der Feuerwehr, Polizei …………….. nicht sonderlich attraktiv sind, ist kein Geheimnis. Natürlich liegt das zum einen an der finanziellen Entlohnung. Viele und schwere Arbeit für verhältnismäßig geringe Bezahlung. Das trifft wohl mehr oder weniger auf alle genannten zu. In der Pflege allerdings (Krankenhaus, Seniorenheim) kommt noch der Aspekt dazu, dass selbst diejenigen, die diesen Beruf aus Idealismus/Überzeugung gewählt haben gar keine Zeit für die ihnen anvertrauten Patienten/Bewohner haben, sondern sich mit administrativen Aufgaben befassen müssen, für die nach meiner Ansicht eher Verwaltungsangestellte zuständig sein sollten.

Ich könnte mir vorstellen, dass sich das „nach der Krise“ zum Teil ändern wird. Mehr geschultes Personal durch attraktivere Umstände. Sicher wird eine Station, die bisher im Nachdienst mit einer Pflegekraft besetzt war, nicht plötzlich vier davon haben. Aber zu zweit wäre es doch schon um einiges leichter. Man kann einfach nicht gleichzeitig auf fünf Klingeln gehen (mit zwei Personen auch nicht, aber die Aussicht alle Personen zeitgerecht versorgen zu können, ist doch um einiges höher).

Ich selber arbeite bei einen Verband, der Menschen mit geistiger (plus teilweise auch körperlicher) Behinderung betreut. Die meisten unserer Bewohner sind stationär untergebracht und leben in Achtergruppen. Ursprünglich (vor vielen Jahren) gab es im Tagdienst drei bis vier Betreuer plus Haushaltshilfe – je nach Behinderungsgrad – und nachts waren es zwei. Auch hier wurde immer mehr gekürzt, so dass aktuell im Bestfall die einzelnen Gruppen noch eine Nachtbetreuung haben. Leider ist es aber so, dass wir über Häuser verfügen, die wie kleine Bungalowsiedlungen angeordnet sind. Wozu braucht man dann also für eine einzelne Gruppe nachts einen Betreuer, wenn der auch zwei Häuser bedienen kann? Für mich eine wahrhaft umwerfende Logik

Meine Schwester ist Teamleiterin in einem Seniorenheim. Sie gehört zu den Menschen die zu schade sind für diese Welt. Aus Überzeugung Altenpflegerin geworden und heute dazu verdammt im Büro zu sitzen und irgendwelche bürokratischen Aufgaben/Probleme zu lösen, statt sich liebevoll mit den Bewohnern beschäftigen zu können, so wie sie es gerne tun würde. Irgendwann wird das sehr unangenehme Folgen für sie und wahrscheinlich auch viele ihrer Kollegen – die genauso ticken – haben……… wenn sich nichts ändert.

Aber es gibt ja eine kleine Hoffnung. Schon vor der Krise hat Spahn eine Rundreise durch Deutschland unternommen und sich in diversen Krankenhäusern vor Ort ein Bild von der Lage gemacht. Daraufhin wurde in Mönchengladbach das Personal aufgestockt (ob das anderswo auch gemacht wurde, ist mir nicht bekannt). Natürlich nur minimal, aber besser als nichts. Trotzdem muss Gladbach noch Strafe zahlen, weil es ihnen nicht gelingt, weiteres Personal einzustellen. Aber wer will es denn unter DIESEN Bedingungen auch machen?

Wenn also die Corona-Krise eins bewirken könnte, dann vielleicht eine Verbesserung in dieser Branche. Und natürlich nicht nur dort, sondern in allen Bereichen, die jetzt einfach nur unterbezahlt werden, wo sich bemitleidenswerte Mitarbeiter die teilweise sehr aggressiven Beschuldigungen der Kunden/Patienten/Fahrgästen…….. anhören müssen und trotzdem aktuell den Laden am Laufen halten. Meiner Ansicht nach ist es nicht mit einmaligen Boni getan. Hier müsste und wird vielleicht auch (ACHTUNG! SPEKULATION!) auf Grund der momentanen Szenarien nachgebessert werden. Das würde ich mir wirklich wünschen.

Herzlichst Johanna



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Kommentar von barbarella
- 28.03.2020 13:31

Hej Johanna,

da kann ich Dir nur voll und ganz zustimmen. Ich selbst arbeite als Leitung der Hauswirtschaft in einem Seniorenheim und sehe so Tag für Tag was das alles so mit sich bringt. Klar, das es viel Schreibkram ist, aber wenn das nicht wäre, wüßte keiner etwas über das Bewohnerbefinden. Leider hat immer einer die A-Karte, wenn jemand mir Leib und Sehle dabei ist, merkt man das gleich an der Stimmung auf den Bereich. Gerade die alten Leutchen, die jetzt nicht mehr alleine Zuhause leben können, haben es doch verdient, das man sich etwas Zeit nimmt. Sie haben es doch so schon schwer genug. Man merkt immer richtig, wenn man sich etwas Zeit für ein kurzes persönliches Gespräch nimmt, das zaubert meist ein Lächeln auf´s Gesicht.
Ich würde mich freuen, wenn es jetzt dadurch mehr Menschen geben könnte, die einem den letzte Weg etwas schöner machen können.

Ich kann nur für mich sagen, das ich dankbar bin, noch jeden Tag zur Arbeit gehen zu können und in meiner Freizeit meinen Garten habe. So hoffe ich, das wir alle gut durch die Krise kommen.....


LG Bärbel

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